Wer erbt? – Teil 1

von Michael Forster

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Eine interessante Frage, die sich früher oder später jeder stellt, ist: „Was geschieht mit meinem Eigentum, wenn ich sterbe?“

Da ich in der Praxis immer wieder feststellen muss, dass es bezüglich der oben genannten Frage immer wieder zu erheblichen Unklarheiten kommt, greife ich dieses Thema in den nächsten beiden Ausgaben erneut auf, um ihnen einen Überblick zu verschaffen.

Für die Beantwortung dieser Frage gibt es im Bürgerlichen Gesetzbuch sehr umfangreiche und komplexe Regelungen. Zum einen kann man durch Verfügung von Todes wegen (meist Testament) selbst bestimmen, wer was erhalten soll. Zum anderen gibt es die sog. gesetzliche Erbfolge, die dann eintritt, wenn keine testamentarische Regelungen getroffen wurden.

Heute will ich Ihnen diese gesetzliche Erbfolge einmal in Grundzügen darstellen.

Zunächst ist zu erwähnen, dass es sich hierbei um ein „Verwandtenerbrechtssystem“ handelt, bei dem der Ehegatte eine Sonderstellung einnimmt. Das bedeutet, dass grundsätzlich nur verwandte Personen Erben werden.

Im folgenden Beispiel gehen wir von einer Familie aus, bei der die Eheleute im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben und zwei gemeinsame Kinder haben.

Wenn der Mann stirbt, verteilt sich seine Erbmasse wie folgt:

Die Erbquote der Ehefrau ist neben Kindern die Hälfte (¼ erbrechtlich, ¼ güterrechtlich). Somit verbleibt für die Kinder ebenfalls noch eine Hälfte. Diese wird zu gleichen Teilen aufgeteilt. Demnach erhielte jedes Kind ¼. Wenn nun jedoch ein Kind bereits verstorben ist, treten an dessen Stelle seine Kinder – nicht die Ehefrau – zu jeweils gleichen Teilen. Der Erbteil des Kindes1 bleibt somit in seinem „Stamm“. Er würde lediglich dann übergehen auf den Stamm von Kind2, wenn Kind1 keine Nachkommen hätte oder auch diese bereits kinderlos verstorben wären.

Diese Variante dürfte im Groben noch den Vorstellungen der meisten Leute entsprechen. Anders sieht es teilweise dann aus, wenn es sich um ein kinderloses Ehepaar handelt.

Sind nämlich keine eigenen Kinder, Enkel usw. (Abkömmlinge) vorhanden, so erben die sog. „Erben der 2. Ordnung“. Dies sind die Eltern und deren Abkömmlinge.

Im folgenden Beispiel sind zum Zeitpunkt des Todes des Mannes seine Eltern bereits verstorben. Er hat jedoch noch eine lebende Schwester.

In diesem Fall erbt die Ehefrau zu ¾. Das übrige Viertel ginge an die Eltern des Verstorbenen. Da diese jedoch ebenfalls nicht mehr leben, geht der Erbteil auf die Schwester des Erblassers über.

Dies kann nun im Einzelfall große Probleme aufwerfen. Sollte z.B. das Erbe lediglich aus dem ehelichen Wohnhaus bestehen und die Ehefrau nicht in der Lage sein, ihre Schwägerin finanziell abzufinden, könnte diese Antrag auf Teilungsversteigerung des Hauses stellen, und das Haus würde versteigert werden.

Um solch ungewünschte und eventuell nicht bedachte Ergebnisse zu vermeiden, sollte man sich unbedingt rechtzeitig Gedanken machen, wie man sein Erbe regeln will, sich beraten lassen und letztendlich auch ein Testament verfassen.

 

Dazu mehr in der nächsten Ausgabe…

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