Wer erbt?- Teil 2

von Michael Forster

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, in der letzten Ausgabe habe ich Ihnen das gesetzliche Erbrecht vorgestellt. Dabei wurde dargelegt, welche Regelungen der Gesetzgeber für die Vermögensnachfolge getroffen hat.

Da jedoch das Bürgerliche Gesetzbuch nicht jeden Einzelfall regeln kann, ist das gesetzliche Erbrecht abdingbar. Das heißt, dass Sie Ihren Nachlass - mit gewissen Einschränkungen - regeln können, wie Sie es für richtig halten (sog. Testierfreiheit). Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

 

Die einfachste Möglichkeit ist es, ein Testament zu errichten. Voraussetzung dafür ist lediglich, dass Sie das 16. Lebensjahr vollendet und Ihre Einsichts- und Handlungsfähigkeit nicht verloren haben.

Mit Ausnahme von bestimmten Sonderfällen gibt es zwei Möglichkeiten, ein Testament zu errichten:

Zum einen kann der letzte Wille zur Niederschrift eines Notars erklärt werden, welcher diese dann für Sie verwahrt.

Zum anderen kann der Erblasser ein Testament durch eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung errichten. Zu beachten ist dabei, dass der gesamte Text vom Erblasser selbst mit der Hand geschrieben sein muss. Nicht zulässig ist es, den Text mit dem Computer oder der Schreibmaschine zu verfassen und lediglich zu unterschreiben. Ein solches Testament wäre aufgrund des Formverstoßes nicht gültig. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Unterschrift eine sog. Abschlussfunktion hat. Sie muss demnach am Ende des Textes stehen. Eventuelle spätere Nachträge unterhalb der alten Unterschrift bedürfen erneut der Unterschrift.

Ort- und Datumsangaben sind nicht unbedingt nötig, sollten jedoch aufgenommen werden.

Ein eigenhändiges Testament kann beim zuständigen Nachlassgericht hinterlegt werden.

 

Da sich natürlich im Laufe der Zeit der Wille des Erblassers ändern kann, kann er auch sein Testament widerrufen. Ein notarielles Testament gilt als widerrufen, sobald die in amtliche Verwahrung genommene Urkunde dem Erblasser zurückgegeben wird.

Ein handschriftliches Testament kann auf verschiedene Arten widerrufen werden. Dies kann geschehen durch einen expliziten Widerruf, durch Errichtung eines neuen Testamentes (soweit andere Regelungen getroffen werden als im vorherigen) oder durch Vernichtung.

 

Zwei Personen können ihren letzten Willen auch aufeinander abstimmen und sich gegenseitig daran binden. Dies ist möglich durch die Errichtung eines sog. Ehegattentestamentes oder eines Erbvertrages.

Während das Ehegattentestament - ähnlich wie das einfache handschriftliche Testament - von den Ehegatten selbst handschriftlich verfasst werden kann, bedarf der Erbvertrag der notariellen Beurkundung.

Vorteil dieser beiden Varianten ist, dass der überlebende Ehegatte auch über den Tod des anderen hinaus an die so gewollten Regelungen gebunden ist.

Sinnvoll ist eine derartige Regelung sehr häufig dann, wenn Ehegatten sich gegenseitig zunächst zu alleinigen Erben einsetzen wollen und die gemeinsamen Kinder erst nach dem Ableben des zweiten Ehegatten Erben werden sollen.

 

Eingeschränkt wird die Testierfreiheit vom Pflichtteilsrecht. Abkömmlinge des Erblassers, seine Eltern, sein Ehegatte und der eingetragene Lebenspartner haben ein Recht auf den sog. Pflichtteil, wonach ihnen, auch wenn sie nach dem Testament nicht erben, die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils zusteht.

 

Eine weitere Einschränkung erfährt die Testierfreiheit durch § 14 Heimgesetz, wonach jemand der in einem Heim wohnt weder den Träger des Altenheimes noch das Heimpersonal als Erben einsetzen kann.

 

Fazit:

Sie können Ihren letzten Willen grundsätzlich sehr einfach regeln. Sie sollten jedoch darauf achten, dass Sie es richtig machen. Sehr oft kommt es aufgrund nicht eindeutiger Testamente zu Erbrechtsstreits, welche nicht nur sehr kostspielig sind, sondern auch sehr oft zu erheblichen familiären Zerwürfnissen führen. Deshalb sollten Sie sich unbedingt professioneller Hilfe / Beratung bedienen. Schließlich gibt es unzählige Gestaltungsmöglichkeiten: Erbeinsetzung, Enterbung (direkt oder indirekt), Vermächtnis, Auflage, Einsetzung eines Testamentsvollstreckers usw.

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