Was kann ich nach einem Verkehrsunfall geltend machen?

von Michael Forster

 

Nachdem ich in der letzten Ausgabe erläutert habe, wie man sich unmittelbar nach einem Verkehrsunfall zu verhalten hat, schildere ich Ihnen heute, welche Ansprüche Sie haben.

Reparaturkosten:

Sie können Ersatz der Kosten verlangen, die tatsächlich für die Reparatur des Fahrzeuges angefallen sind. Dazu müssen Sie die Rechnung der Fachwerkstätte vorlegen.

Sie können aber auch fiktiv - über Gutachten – abrechnen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass Sie bei Abrechnung über ein Sachverständigengutachten nur den Nettobetrag der geschätzten Reparaturkosten erhalten, da ja die Mehrwertsteuer nicht angefallen ist.

Im Falle eines Totalschadens werden die geschätzten Wiederbeschaffungskosten abzüglich des Restwertes ersetzt.

Gutachterkosten:

Soweit kein Bagatellschaden vorliegt - das heißt, der Schaden höher ist als 750 € -, ist grundsätzlich zu raten, ein Schadensgutachten erstellen zu lassen. Die Kosten des Gutachtens werden erstattet. Bei Bagatellschäden ist meist ein Kostenvoranschlag ausreichend.

Mietwagenkosten/Nutzungsausfall:

Für den Zeitraum, in dem das Fahrzeug reparaturbedingt nicht zur Verfügung steht, können Sie sich ein Mietfahrzeug nehmen. Die Kosten hierfür werden ebenfalls ersetzt.

Sollten Sie kein Mietfahrzeug benötigen, steht Ihnen Ersatz des Nutzungsausfalls zu. Dieser errechnet sich aus der Anzahl der Tage multipliziert mit dem Nutzwert, das Ihr Fahrzeug hat.

Merkantiler Minderwert:

Hat Ihr Fahrzeug durch den Unfall eine Wertminderung erlitten, weil es nun nicht mehr unfallfrei ist, so ist auch dieser Schaden auszugleichen.

Bei Verletzungen: Schmerzensgeld, Heilungskosten, vermehrte Bedürfnisse, Verdienstausfall

Rechtsanwaltskosten:

Auch die Kosten für einen Rechtsanwalt müssen von der gegnerischen Versicherung getragen werden, soweit deren Versicherter Schuld am Unfallgeschehen hat.

Abschleppkosten zur nächsten Werkstatt, Unfallkostenpauschale, An-/Abmeldekosten etc.

Achtung:   Die Versicherungen tendieren mittlerweile dazu, die Geschädigten umgehend zu kontaktieren und diesen eine schnelle unkomplizierte Regulierung des Schadens anzubieten. Sie sollen auf Ihr Recht verzichten, einen Sachverständigen Ihrer Wahl und einen Rechtsanwalt zu beauftragen.

Die Versicherung spart sich dadurch deren Kosten. Leider musste ich aber auch schon mehrfach feststellen, dass von der Versicherung beauftragte Gutachter den Schaden oftmals geringer schätzen als privat beauftragte. Einige Versicherungen versprechen zwar, schnell alle Schäden zu ersetzen, weisen aber nicht auf alle Schadenspositionen hin, so dass der Geschädigte am Ende weniger Schadensersatz erhält und sich zudem selbst um die Regulierung kümmern musste.

 Fazit:  Wenn es sich nicht um einen Bagatellschaden handelt und die Schuld nicht unbestritten bei Ihnen liegt, fragen Sie einfach bei einem Rechtsanwalt nach, ob es Sinn macht, die Angelegenheit an ihn zu übergeben und welche Kosten anfallen könnten. Diese Auskunft ist in der Regel kostenlos und die durch das Verfahren entstehenden Anwaltsgebühren werden, soweit die Schuld beim Gegner liegt, auch von dessen Versicherung bezahlt.

 

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